Hutba - Spenden in schweren Zeiten

26. Februar 2016

Verehrte Muslime!
Eines Tages sprach der Prophet von den Tugenden seiner verstorbenen Ehefrau Hadîdscha (r). Er lobte ihre Großzügigkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft. Seine Frau Aischa (r), die auch anwesend war, drehte sich zu ihm und sagte: „Ihr redet immer nur von Hadîdscha, obwohl Allah euch jüngere und schönere Frauen gegeben hat.” Der Prophet antwortete: „Nein, Allah hat mir niemanden gegeben, der zuträglicher war. Denn sie hat an mich geglaubt, in einer Zeit, in der jeder im Unglauben lebte. Sie bestätigte mich in einer Zeit, in der jeder mich verleugnete. In einer Zeit, in der mir jeder alles verweigerte, machte sie mich zum Teilhaber ihres Vermögens, und Allah gab mir Kinder von ihr.” Daraufhin beschloss Aischa (r), nie wieder etwas Negatives über Hadîdscha (r) zu sagen.[1]

 

Zu Beginn des Islams gab es nur wenige Muslime in Mekka. Sie waren schwach, und nur wenige Wohlhabende waren unter ihnen. Die reiche Hadîdscha (r) hatte in der Zeit des dreijährigen Boykotts ihr gesamtes Vermögen dem Propheten anvertraut, um den notleidenden Muslimen zu helfen.

Liebe Geschwister!
Im neunten Jahr nach der Hidschra bedrohte eine feindliche Bewegung aus Damaskus die Sicherheit der Muslime. Als der Prophet davon erfuhr, stieg auf den Minbar des Masdschid an-Nabawî und rief die Gläubigen dazu auf, sich zu wehren. Es war in der heißen Jahreszeit, in der man den Schatten der Obstheine und Gärten aufsuchte. Überall herrschten Armut und Dürre. Die wenigen wohlhabenden Muslime kamen dem Spendenaufruf des Propheten sofort nach.

Umar (r) spendete 5000 Dirham, was der Hälfte seines Vermögens entsprach. Abû Bakr (r) gab sein ganzes Vermögen, 4000 Dirham. Als Abdurrahmân ibn Awf (r), der 8000 Dirham besaß, die Hälfte davon brachte, sprach der Gesandte Allahs folgendes Duâ: „Allah möge sowohl das, was du gebracht hast, als auch das, was du für die Angehörigen deines Haushalts behalten hast, segnen.”[2] Usmân (r) spendete 300 Kamele und 100 Pferde, und als er noch 1000 Goldstücke in den Schoß des Gesandten Allahs schüttete, betete dieser für ihn: „O Allah! Ich bin zufrieden mit Usmân, sei auch du zufrieden mit ihm.”[3]

Der arme Sahâbi Ulba ibn Zayd (r) war traurig, weil er nichts hatte, was er spenden konnte. Er betete zu Allah und beklagte seine Situation. Am nächsten Tag brachte er einen kleinen Betrag zum Propheten. Er schämte sich, dass es nur sehr wenig war. Auch dieser Beitrag wurde unter die Spenden gemischt. Am nächsten Tag lud ihn der Prophet zu sich ein und sagte: „Ich schwöre bei Allah, in dessen Händen Muhammads Existenz und Kraft liegen, du wurdest in den Diwan (das Register) derjenigen eingetragen, deren Spenden angenommen wurden.“[4]

Auch die Frauen spendeten viel. Ummu Sinân Al-Aslamiyya (r) erzählte: „Im Hause Aischas (r) sah ich ein Tuch, das vor dem Gesandten Allahs ausgebreitet war. Darauf befanden sich Armreifen, Armbinden mit Amuletten, Fußkettchen, Ringe, Ohrringe, eine Reihe von Riemen zum Binden von Kamelfüßen und andere Dinge, die von Frauen geschickt worden waren, und die in der Schlacht von Nutzen sein konnten.“[5]

Diese außerordentliche Großzügigkeit wird im Koran wie folgt beschrieben: „Und was ist mit euch, dass ihr nicht für Allahs Sache spendet, wo Allahs doch das Erbe der Himmel und der Erde ist? Unter euch ist nicht gleichgestellt, wer vor dem Sieg spendete und kämpfte – diese nehmen höhere Rangstufen ein als jene, welche erst hiernach spendeten und kämpften. Allen aber verheißt Allah das Beste. Und Allah weiß wohl, was ihr tut.“[6]

Verehrte Muslime!
Unser größter Dschihad und der wichtigste Bereich, für den wir Muslime in Europa spenden müssen, ist die Bildung. Denn so können wir gewährleisten, dass unsere Nachkommen als gläubige Menschen heranwachsen, ihre Ibâdas verrichten, einen guten Charakter haben und nur Gutes tun. In unseren Bildungszentren, religiösen Fachschulen, Imam-Schulen, Kursen für islamische Wissenschaften, Bildungseinrichtungen für Kinder aller Altersgruppen und unseren Hafiz-Kursen haben wir, alhamdulillâh, eine breite Palette an Möglichkeiten. Diese nutzen Tausende Kinder und Jugendliche. Heute möchten wir euch daran erinnern um Allahs Willen, mehr als sonst und so bald wie möglich dafür zu spenden. Nur mit eurer Unterstützung können wir die Qualität der bestehenden Einrichtungen verbessern und neue Projekte starten. Zu diesen neuen Projekten gehören 10 Bildungseinrichtungen, angefangen von Kindergärten, Grundschulen, Weiterführenden Schulen und Gymnasien bis hin zu theologischen Berufsschulen. Vergesst nicht: Spenden, die in schwerer Zeit geleistet werden, haben einen viel höheren Rang und sind noch verdienstvoller als andere.

[1] Ahmad ibn Hanbal, Musnad, Hadith Nr. 24864
[2] Wâkidî, Magâzî, III, 991; Tabarî, Tafsir, X, 197
[3] Ahmad ibn Hanbal, IV, 75; Wâkidî, ebd., III, 991; Ibn Ishâk, Ibn Hischâm, Sira, IV, 161
[4] Ibn Kayyim, Zâd al-Maâd, Ägypten, 139I/1971, III, 4; Wâkidî, ebd., III, 994; Ibn Hadschar, Al-Isâba, II, 5II
[5] Wâkidî, Magâzî, III, 991, 992
[6] Sure Hadîd, 57:10


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Ayat der Woche

Im Namen Allahs,
des Allerbarmers,
des Barmherzigen.

Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.

(Quran, Sura Al- Imran 3:104)

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Freitagspredigt

Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten.

Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.