Hutba: Gute Nachbarn

28. April 2017

Verehrte Muslime!
Nachbarschaft ist eine der wichtigsten Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Schließlich brauchen wir gute soziale Kontakte wie die Nachbarschaft, um ein erfülltes Leben führen zu können.

 

Liebe Geschwister!
Unser Glaube leitet uns auch im sozialen Leben. Er zeigt uns, was es heißt, ein guter Muslim und Nachbar zu sein. In der Sure Nisâ, Vers 36 heißt es: „Und dient Allah und stellt ihm nichts zur Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Gefährten, den Reisenden und zu denen, welche ihr von Rechts wegen besitzt. Siehe, Allah liebt nicht den Hochmütigen, den Prahler.“[1]

Der Koranvers nennt neun Gruppen, zu denen wir ein gutes Verhältnis haben sollen. Zwei davon sind unsere nahen und fernen Nachbarn. Einigen Koranegelehrten zufolge sind mit „nahen Nachbarn“ verwandte und mit fernen nicht verwandte Nachbarn gemeint.[2]

Auch wenn in einigen Quellen zwischen verwandten und fremden oder muslimischen und nichtmuslimischen Nachbarn graduell unterschieden wird,[3] bleibt eines unveränderlich: Muslime sollen ein gutes Verhältnis zu ihren Nachbarn haben. Unser Prophet hatte ein gutes Verhältnis zu allen seinen Nachbarn. Daran nahmen sich auch seine Gefährten ein Beispiel. Einer Überlieferung zufolge opferte der bekannte Prophetengefährte Abdullah ibn Amr ibn al-As ein Schaf und bot davon auch seinem jüdischen Nachbarn an.[4]

Verehrte Muslime!
Ein Muslim ist jemand, der niemandem Schaden zufügt, weder durch seine Worte noch durch seine Taten. Er ist ein zuverlässiger und vertrauensvoller Mensch. Er achtet die Rechte seiner Nachbarn, hilft ihm, wo er kann und tut nichts, was ihm missfallen würde. Ganz im Sinne unseres Propheten, der einmal sagte: „Dschibrîl hörte nicht auf, mich zu ermahnen, den Nachbarn gut zu behandeln, so dass ich dachte, er würde ihn zum Erben erklären.“[6]

Liebe Geschwister!
Heute spielt Individualismus eine große Rolle. Gemeinschaft ist zweitrangig. Doch für uns ist die gute Nachbarschaft ein unveränderlicher Wert. Das ist besonders wichtig für unseren jetzigen Lebenskontext. Denn indem wir gute Nachbarn sind, zeigen wir mit unseren Taten auch, was es heißt ein guter Muslim zu sein.

Unsere Nachbarn sollen sich freuen können, dass nebenan eine muslimische Familie lebt. Sie sollten sich mit allen Fragen und Bedürfnissen auch an uns wenden können. Ein solches gutes nachbarschaftliches Verhältnis zu haben, liegt in unseren Händen.

[1] Sure Nisâ, 4:36
[2] s. Tafsîr at-Tabarî, VIII, S. 337-340
[3] s. Ibn Hadschar, Fath al-Bârî, X, S. 543
[4] Buchârî, al-Adab al-Mufrad, S. 52
[5] Tirmizî, Hadith Nr. 2627
[6] Muslim, Birr, Hadith Nr. 2624-25

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Ayat der Woche

Im Namen Allahs,
des Allerbarmers,
des Barmherzigen.

Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.

(Quran, Sura Al- Imran 3:104)

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Freitagspredigt

Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten.

Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.