Hutba: Gute Nahbarschaft – bessere Gesellschaft

22. September 2017

Verehrte Muslime!

In unserer heutigen Zeit verbreiten sich Nachrichten mit rasanter Geschwindigkeit. Wir alle haben Zugriff auf eine Unmenge von Informationen. Jeder kann schnell und einfach recherchieren und etwas über den Islam und die Muslime lernen. Eigentlich dürfte es gar keine Vorurteile oder Unkenntnis mehr geben, nicht wahr? Denn jeder kann ja schnell nachschlagen, ob etwas richtig ist oder nicht.

So ist es aber leider nicht. Falschnachrichten, mediale Manipulation und negative Berichte erschweren es den Menschen, sich ein richtiges Bild zu machen. Die meisten fühlen sich überfordert; der Schritt zum Populismus ist dann nicht mehr weit. Kurz: Ein Satz, der dem vierten Kalifen Ali (r) zugeschrieben wird, ist heute genauso gültig wie früher. Er soll gesagt haben: „Der Mensch ist der Feind dessen, was er nicht kennt“.

Liebe Geschwister!

In einer solchen gesellschaftlichen Atmosphäre leidet unser Zusammenleben. Wenn das Vertrauen der Menschen zueinander und in ihre Gemeinschaft schwindet, dann steht viel auf dem Spiel. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtiger denn je, sich auf die Grundlage des Zusammenlebens zu besinnen – und das ist die gute Nachbarschaft. Denn die Nachbarschaft bildet nach der Familie die kleinste Einheit gesellschaftlichen Miteinanders. Wenn der Zusammenhalt hier gelingt, funktioniert das friedliche Zusammenleben inschallah auch in der gesamten Gesellschaft.

Verehrte Muslime!

In einem Koranvers heißt es: „Und betet nur Allah an und gesellt ihm nichts und niemanden bei! Seid gut zu den Eltern, zu den Waisen, den Bedürftigen, den nächsten und den fernen Nachbarn, den Freunden an eurer Seite…“.[1]

Was es bedeutet, gut zu den Nachbarn zu sein, erklärt unser Prophet Muhammad (s), ohne zwischen Muslimen und Nichtmuslimen zu unterscheiden. Es ist unsere Pflicht als muslimische Nachbarn,

– unsere Nachbarn zu besuchen, wenn sie krank sind,

– bei ihrer Bestattung anwesend zu sein,

– ihnen Geld zu leihen, wenn sie darum bitten,

– ihnen zu helfen, wenn sie in Not sind,

– ihnen zu gratulieren, wenn ihnen Gutes widerfährt,

– sie zu trösten, wenn ein Unglück sie trifft,

– das eigene Haus so zu bauen, dass die Sicht des Nachbarn nicht gehindert wird und

– das Essen mit den Nachbarn zu teilen, wenn sie den Geruch wahrnehmen.[2]

Liebe Geschwister!

Jeder kann etwas tun, damit Vorurteile abnehmen, der Islam richtig verstanden und unsere Gesellschaft besser wird. Das fängt an beim täglichen Grüßen, der gegenseitigen Hilfe, aber auch bei der Geduld, die wir aufbringen müssen, wenn sich unsere Nachbarn mal daneben benehmen. All das ist eine Ibâda für uns.

In diesem Sinne wurde auch das Thema des diesjährigen Tages der offenen Moschee (TOM) am 3. Oktober ausgewählt. Es lautet „Gute Nachbarschaft – bessere Gesellschaft“. Möge Allah uns ermöglichen, gute Muslime und Nachbarn zu sein. Möge er zufrieden mit uns sein.

[1] Sure Nisâ, 4:36
[2] Madschma az-Zawâid, VIII, 168-170

 

 

 

 

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Ayat der Woche

Im Namen Allahs,
des Allerbarmers,
des Barmherzigen.

Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.

(Quran, Sura Al- Imran 3:104)

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Freitagspredigt

Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten.

Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.