Hutba: Ehe und Familie

05. Oktober 2018

Verehrte Muslime!

Das Ehe- und Familienleben gehört zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen. Es ist kein Zufall, dass mit den ersten Menschen auch die ersten Familien entstanden sind. Allah und der Gesandte empfehlen uns, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Jeder, der heiraten kann, soll das möglichst bald tun und es nicht weiter hinauszögern. Denn die Ehe wird in nahezu allen heiligen Büchern empfohlen. In der Ehe können die menschlichen Bedürfnisse am besten befriedigt werden. Im Koran wird uns dieser Aspekt am Beispiel des Propheten Yûsuf (s) näher gebracht. Die Prüfung von Yûsuf (s) zeigt uns, dass jeder Mensch mit seinem Nafs geprüft wird. Yûsuf (s) hat seine Prüfung mit der Hilfe Allahs bestanden. Vor diesem Hintergrund sind folgende Worte unseres Prophet zu verstehen: „Wer heiratet vervollständigt damit seinen halben Iman. So soll jener Allah im Hinblick auf die verbleibende Hälfte fürchten‘.“[1]

 

Unser Prophet legt den Jugendlichen das Heiraten deshalb nahe, weil er weiß, dass sie den Versuchungen im Jugendalter stärker ausgesetzt sind. Aus diesem Grund soll jeder junge Erwachsene, der die Möglichkeit dazu hat, heiraten. Wer das tut, folgt der Sunna des Propheten.

Liebe Geschwister!

Es ist wichtig, das Eheleben zu empfehlen und die Heirat zu erleichtern. Leider werden viele dieser Aufgabe nicht gerecht. In vielen muslimischen Familien wird die Heirat und Familiengründung hinausgeschoben. Jugendliche werden dazu verleitet, erst einen guten Job zu finden oder Karriere zu machen. Diese Wünsche sind zwar verständlich und nachvollziehbar, aber führen sehr oft dazu, dass die Ehe immer weiter in die Ferne rückt, bis irgendwann der Wunsch, zu heiraten abnimmt. Der Wissenserwerb ist natürlich in jedem Alter und für jeden Muslim eine Pflicht. Im Koran heißt es: „Nur die Wissenden unter seinen Dienern fürchten Allah.“[2] Dennoch müssen wir auch hier die goldene Mitte finden. Die Aufgabe muslimischer Familien ist es, ihren Kindern im Heiratsalter die Ehe nahe zu legen. Sie dürfen ihre Kinder nicht vor die Wahl stellen, sich entweder für die Ehe oder für die Karriere zu entscheiden. Die Aufgabe der Familie ist es, den Weg zur Heirat zu öffnen und sie daran zu erinnern, was das eigentliche Ziel ist: nämlich ein besserer Mensch und Muslim zu werden. In der heutigen Zeit des Egoismus und der grenzenlosen Selbstverwirklichung darf das Streben nach Wissen nicht dazu führen, dass die sozialen, emotionalen und menschlichen Grundbedürfnisse vernachlässigt werden.

Natürlich werden wir unsere Jugendlichen dabei unterstützen, damit sie eine gute Arbeit finden und der Gesellschaft nützlich sind. Aber genauso müssen wir ihnen finanziell und emotional beistehen, wenn sie heiraten möchten.

Verehrte Muslime!

Zu hohe Hochzeitskosten können zu Unstimmigkeit und Streit unter den Familien führen. Aus den Überlieferungen unseres Propheten wissen wir, dass die Baraka denjenigen zuteil wird, die versuchen, ihre Hochzeitskosten so niedrig wie möglich zu halten.[3] Übermäßige Einkäufe und luxuriöse Hochzeitsvorstellungen sind ein Widerspruch zu den Worten unseres Propheten. Die Hochzeitsvorbereitungen dürfen nicht dazu führen, dass junge Paare ihr Eheleben mit Schulden beginnen. Ziel ihrer Heirat und auch des Ehelebens ist das Wohlgefallen Allahs. Takwâ ist der Maßstab aller Dinge. Nicht die Kleidung, das Essen, die Geschenke, das Gold, die Foto- und Videoaufnahmen. Die Denkweise „Je mehr Ausgaben und Aufwand, desto höher der Wert“ ist falsch. Unser Prophet empfiehlt uns eine minimalistische Lebensweise ohne jeglichen Luxus. Er sagte: „Hört ihr denn nicht? Einfach zu leben, kommt vom Glauben.“[4] Damit möchte unser Prophet sagen, dass die wichtigsten Eigenschaften eines Ehepartners die wahrhaftige Religiosität und das Verantwortungsbewusstsein sind.

Liebe Geschwister!

Heute erschweren viele materielle Faktoren den Schritt zur Heirat. Aber Glückseligkeit liegt nicht in weltlichen Dingen wie Schönheit, Reichtum, Beruf, Karriere usw. Vielmehr beruht sie auf der wahrhaften Religiosität, der Aufrichtigkeit und dem Verantwortungsbewusstsein. In diesem Sinne heißt es in einem Koranvers: „Und verheiratet die Ledigen unter euch und eure Diener und Dienerinnen. Wenn sie arm sind, wird Allah sie aus seinem Überfluss reich machen; denn Allah ist großzügig und wissend.“[5]

[1] Aṭ-Ṭabarānī: Al-Muʿǧam Al-Awsaṭ, H.No: 7647
[2] Sure Fâtir, 35:28
[3] Abû Dâwûd, Sunan, 2/591
[4] Abû Dâwûd, Taradschul, 2
[5] Sure Nûr, 24:32

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Ayat der Woche

Im Namen Allahs,
des Allerbarmers,
des Barmherzigen.

Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.

(Quran, Sura Al- Imran 3:104)

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Freitagspredigt

Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten.

Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.