Hutba: Schlechte Gewohnheiten

26. Oktober 2018

Verehrte Muslime!

Alles, was uns Allah gegeben hat, ist ein Geschenk und gleichzeitig etwas, das uns anvertraut wurde. Unser Leben, Besitz, Gesundheit und Familie sind nur einige dieser Gaben. Zwei davon, nämlich das Leben und die Gesundheit, und zwar körperlich wie geistig, sind besonders wichtig. Denn wenn wir diese göttlichen Gaben so nutzen wie es Allah gefällt, werden wir inschallah seine Zufriedenheit erlangen.

 

Liebe Geschwister!
Modernen Medien sind in der heutigen Welt weit verbreitet. Fernsehen, Computer, Internet, Handy und soziale Medien prägen pausenlos unseren Alltag. Sie gehören fast schon zu unseren Grundbedürfnissen und sind wie Wasser und Luft. Medien decken viele unserer Bedürfnisse und begleiten unser tägliches Leben: Sie ermöglichen schnelle Kommunikation, einfachen Zugang zu unterschiedlichen Informationsquellen und informieren über aktuelles Weltgeschehen. Doch wenn diese Medien nicht sinnvoll, d. h. ihrem Zweck entsprechend, genutzt werden, können sie uns schaden, insbesondere unserer Seele. Wenn also die Gefahrengrenze nicht eingehalten wird, kann die Mediennutzung zu Sucht und Abhängigkeit führen. Gewohnheiten werden sehr schnell zu persönlichen Eigenschaften und sind wiederum nur schwer abzulegen.

Verehrte Muslime!

Wann kann man von einer schlechten Gewohnheit oder sogar Sucht sprechen? Dies ist der Fall, wenn der Mensch die Kontrolle über seine Medien verliert und die Nutzung überhandnimmt. Geräte können ihre Nutzer nicht kontrollieren können, weil sie keinen eigenen Willen besitzen. Das Problem liegt bei uns Menschen. Wer einen schwachen Willen hat und die Kontrolle über sich selbst verliert, der sollte das Problem bei sich selbst suchen. Denn so jemand ist in einer Ziellosigkeit gefangen. Er wir pausenlos im Internet surfen, Spiele spielen, unmoralische Videos anschauen, lästern, kommentieren und tratschen. Dabei heißt es im Koran: „Stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben“[1] In diesem Koranvers warnt uns Allah vor einer solchen Ziellosigkeit, die die Wünsche unserer Nafs eindeutig stärkt.

Liebe Geschwister!

Wir Muslime sind Allah ergeben und vertrauen auf ihn. Die eigentliche Nahrung unserer Seele dürfen wir niemals vernachlässigen. Dazu gehört, dass wir zum Beispiel unsere Freizeit mit guten und sinnvollen Dingen verbringen, indem wir Gutes tun für uns, unsere Familie und unsere Mitmenschen. Wir bemühen uns um Ibâdas und verbringen Zeit mit unseren Geschwistern. Genau für diese Zwecke sollten wir auch unsere Kommunikationsmittel nutzen. Wir dürfen sie nicht zum Ziel machen und in den Mittelpunkt unseres Lebens setzen, sondern sie bewusst als Mittel einsetzen. Einen Vortrag in der Moschee hören, Zeit verbringen mit Freunden, Familie und Verwandten, Koran, Tafsîr und Hadithe lesen; anständig und gut sein und als Vorbild agieren – nichts kann diese Gewohnheiten und Eigenschaften ersetzen. Sie sollen den Mittelpunkt unseres Alltags bilden. Allah betont im Koran: „Er aber zürnt denen, die ihren Verstand nicht gebrauchen“[2] und ermahnt damit solche, die ihren Verstand nicht für das Nützliche einsetzen.

Verehrte Muslime!

Damit unsere Kinder und Jugendlichen vor schädlichen Gewohnheiten geschützt werden, müssen wir uns zunächst selbst bessern. Sätze wie: „Das macht doch jeder“ oder „Mein Kind bekommt das doch eh draußen mit, auch wenn ich Zuhause vorsichtig bin“ passen nicht zu uns. Auch wir müssen den Fernseher ausschalten, das Handy zur Seite legen und soziale Medien in Grenzen nutzen können und damit ein Vorbild sein! So, wie wir bestimmte Regeln beim Essen und Trinken, Schlafen und anderen alltäglichen Dingen brauchen, sind Regeln im Umgang mit modernen Medien für uns und unsere Kinder dringend notwendig. Als gewissenvoller Mensch und als Muslim ist es unsere Pflicht, uns selbst und unsere Liebsten vor schlechten und schädlichen Gewohnheiten zu schützen. Allah ermahnt uns: „O ihr, die ihr glaubt! Rettet euch und euere Familien vor dem Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind.“[3]

Liebe Geschwister!

Es ist unsere Aufgabe, unser Lebensziel vor Augen zu haben und unsere begrenzte Zeit mit sinnvollen und guten Dingen zu verbringen. Das ist nicht immer leicht, aber machbar. Schließlich sagte unser Prophet: „Der starke Gläubige ist besser und Allah lieber als der schwache Gläubige, obwohl Gutes in beiden steckt.“[4]

Möge Allah uns dabei helfen. Möge Allah und unsere Nachkommen vor schlechten und schädlichen Gewohnheiten schützen. Âmîn.

[1] Sure Bakara, 2:195
[2] Sure Yûnus, 10:100
[3] Sure Tahrîm, 66:6
[4] Muslim, Kadr, 8

 fatih-logo-original250x50

white_star.png

Ayat der Woche

Im Namen Allahs,
des Allerbarmers,
des Barmherzigen.

Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen.

(Quran, Sura Al- Imran 3:104)

white_important.png

Freitagspredigt

Jeden letzten Freitag im Monat wird die Freitagspredigt in der Fatih-Moschee in deutscher Sprache abgehalten.

Eine Freitagspredigt auf Deutsch öffnet nicht nur die Moschee für alle Muslime unabhängig von ihrer Herkunft, sondern ermöglicht unseren Kindern und Jugendlichen die Probleme mit der Muttersprache haben, dieses besser zu verstehen und weiter zu vermitteln.